
Haushalt 2026: „Ein kleiner Überschuss im Ergebnis – aber spürbarer Druck bei Gebühren und Abgaben“
Interview der „SPD-Redaktion-Stavo“ mit Diana Hartgen, Fraktionsvorsitzende der SPD in der Stadtverordnetenversammlung Trendelburg zur Sitzung der Trendelburger Stadtverordnetennversammlung am 29. Januar 2026
SPD-Redaktion-Stavo: Frau Hartgen, der Entwurf zeigt im Ergebnishaushalt ein kleines Plus. Entwarnung?
Diana Hartgen: Nein. Der Entwurf ist zwar im Ergebnishaushalt formal ausgeglichen – mit +7.575 Euro (Erträge 16.402.043 Euro, Aufwendungen 16.394.468 Euro). Aber dieser Überschuss ist sehr knapp. Bei steigenden Kosten kann das schnell kippen – und dann steigt der Druck, die Einnahmeseite über Gebühren, Beiträge oder Steuern zu stabilisieren.
Wo sehen Sie die größten Kostentreiber – und was bedeutet das für Bürgerinnen und Bürger?
Diana Hartgen: Ein wesentlicher Punkt sind die Personalaufwendungen: plus 226.787 Euro. Dahinter stehen u.a. tarifliche Entgeltsteigerungen (ca. 100.000 Euro) sowie zusätzliche Stellen (befristet Bürgerservice ca. 45.000 Euro, unbefristet im Abwasserbereich ca. 63.000 Euro). Personal ist wichtig – aber dauerhaft höhere Fixkosten erhöhen langfristig den Druck auf den Haushalt. Das kann perspektivisch auch bei Gebühren spürbar werden, wenn andere Bereiche nicht effizienter werden.
Die Bürgerinnen und Bürger fragen sich: Kommen höhere Abgaben?
Diana Hartgen: Wir sehen bereits: Zinsen und ähnliche Aufwendungen steigen um 50.000 Euro. Und auch Umlagen steigen – etwa Kreis- und Schulumlage um 113.000 Euro. Solche Posten sind kaum steuerbar, treffen aber am Ende die kommunale Handlungsfähigkeit. Unser Anspruch ist: Keine automatische Weitergabe von Kosten – stattdessen zuerst konsequent prüfen, wo Prozesse besser, digitaler und interkommunal effizienter werden können.
Gleichzeitig rechnet der Entwurf mit weniger Einnahmen bei der Grundsteuer B. Das klingt erstmal „bürgerfreundlich“, oder?
Diana Hartgen: Im Entwurf ist bei der Grundsteuer B eine Verschlechterung von 87.700 Euro eingeplant. Für den Haushalt heißt das aber: Wenn Einnahmen wegbrechen, wächst an anderer Stelle der Druck. Genau deshalb schauen wir sehr genau hin, ob die Planung tragfähig ist – und wie wir verhindern, dass die Belastung am Ende an anderer Stelle wieder bei den Menschen landet.
Es gibt aber auch bessere Einnahmen – woher kommen die?
Diana Hartgen: Es gibt positive Effekte: Schlüsselzuweisungen +713.000 Euro, dazu Mehrerträge bei Einkommen- und Umsatzsteuer von 99.000 Euro und eine eingeplante „Soforthilfe“ des Landes Hessen von 118.000 Euro. Das hilft – aber es ersetzt keine langfristige Strategie gegen strukturell steigende Kosten.
Kritischer Punkt: Der Finanzhaushalt gilt formal als nicht ausgeglichen. Was heißt das in Klartext?
Diana Hartgen: Im Finanzhaushalt steht ein Zahlungsmittelbedarf von 53.411 Euro. Gleichzeitig ist eine Kreditaufnahme von 2.315.000 Euro eingeplant. Das bedeutet: Investitionen werden in relevantem Umfang über neue Schulden finanziert – und Schulden von heute sind Zinsen und Tilgung von morgen, die den Spielraum einschränken können. Genau da entsteht am Ende oft der Druck auf Gebühren und Abgaben.
Worauf wird die SPD-Fraktion in der Sitzung am 29. Januar besonders pochen?
Diana Hartgen:
Auf drei Punkte:
- Konsequente Prüfung der Kostensteigerungen: Was ist zwingend, was verschiebbar – und was muss durch bessere Organisation aufgefangen werden?
- Schulden nur für klare Prioritäten: Wenn Kredite nötig sind, dann für Investitionen mit nachvollziehbarem Nutzen – nicht, um laufende Mehrkosten zu kaschieren.
- Schutz der Bürgerinnen und Bürger vor Mehrbelastung: Bevor über höhere Abgaben geredet wird, müssen Einsparpotenziale, Fördermittel und Kooperationen wirklich ausgeschöpft sein.
Ihr Schlusswort an die Trendelburgerinnen und Trendelburger vor der Sitzung?
Diana Hartgen: Dieser Haushalt ist kein „Wunschkonzert“. Er zeigt sehr klar: Kosten steigen – und damit wächst das Risiko, dass am Ende Bürgerinnen und Bürger mehr zahlen sollen. Unsere Aufgabe ist, das zu verhindern, indem wir klare Prioritäten setzen, kritisch nachrechnen und die Stadt effizienter aufstellen – ohne die wichtigen Leistungen vor Ort kaputtzusparen.
Zahlen, die für Belastungen entscheidend sind:
• Personalaufwendungen: +226.787 Euro (u.a. tariflich und zusätzliche Stellen)
• Kreis- und Schulumlage: +113.000 Euro
• Zinsen: +50.000 Euro
• Kreditaufnahme geplant: 2.315.000 Euro